BILD-Boulevardzeitung erklärt Lebende für tot! – Wie das Urheberrecht Verbrauchern nützt

Wer hätte gedacht, dass die BILD-Boulevardzeitung diesmal eine Vorlage liefert, warum das Urheber- und Bildrecht in seiner jetzigen Form durchaus Sinn hat? Doch worum geht es?

Wie der BILDblog berichtet, hat die BILD-Zeitung eine lebende Frau in ihrer regionalen Berlin-Ausgabe sowie auf der Startseite von bild.de für tot erklärt. Am Samstag den 16. Juni 2012 berichtete die BILD offline wie auch online, dass in einer Berliner WG ein blutiges Drama stattgefunden hat. Ein Mitbewohner soll ein Mann seine Mitbewohnerin getötet haben und danach selbst aus dem Fenster gesprungen sein. Die Frau soll Hannah K. heissen. BILD brauchte natürlich ein Foto der jungen Frau und sah sich anscheinend ein bisschen im Internet um. Die Journalisten stiessen dabei wohl auf den Blog einer jungen Frau die auch Hannah heisst.

Nur, dass sie Hannah W. heisst. Abgesehen davon ist Hannah W. aus Bremen, nicht aus Berlin und Jahrgang 1985, die Tote Hannah K. in Berlin dagegen 21. Die BILD soll auch dass Studienfach aus Hannah W.´s Blog übernommen haben. All diese Angaben sollen dem Impressum von Hannah´s Blog zu entnehmen gewesen sein. Aus dem Blog der jungen Bremerin wurde vermutlich dann von der BILD-Redaktion ein Foto der jungen Frau entwendet und der Artikel in der Regionalausgabe, sowie der Artikel auf bild.de bebildert.

Laut BILDblog waren Angehörige und Bekannte von Hannah W. schockiert, als sie Hannah W. für tot erklärt gelesen haben. Im Laufe des Samstags müssen der Redaktion ihre schwerwiegenden Schlampereien und Missachtung jeglicher journalistischer Grundsätze als auch ein mögliches strafbares Verhalten nach dem Urheber- und Bildrecht Fehler aufgefallen sein, denn da wurde laut BILDblog das oder die Fotos von Hannah W. von der Startseite und der Bildergalerie entfernt. Allerdings steht auch mit heutigem Datum immer noch das gleiche Studienfach/-richtung im BILD-Artikel.

Ganze 3 Tage später dann, nämlich heute Dienstag den 19. Juni 2012 erschien in der BILD dann auch eine Richtigstellung. Hannah W. erklärte auf Anfrage des BILDblogs, dass Sie bisher keinen persönlichen Kontakt zur BILD-Boulevardzeitung hatte und ihre Anwälte angeschaltet hat. Des Weiteren veröffentlichte Hannah W. auf ihrem Blog einen offenen Brief an BILD.

 

Doch wie hilft das aktuelle Urheber- und Bildrecht in solch einem Fall? Erstmal dem Urheber bzw. Urheberin

  • Ganz klar und einfach, zum Einen ist es so, dass man zur Verwendung eines Fotos die Zustimmung des Fotografen (Urheber) braucht. Ohne ein Nutzungsrecht ist die Veröffentlichung und Verwendung rechtswidrig und möglicherweise auch strafbar
  • Zum anderen muss auch eine Bildrechtübertragung vorliegen. Dass Einverständnis der abgebildeten Person, dass man die Fotos veröffentlichen darf
  • Hinzu kommt aller Wahrscheinlichkeit nach eine tiefgreifende Persönlichkeitsverletzung und und und…
Allerdings sieht hier so aus, dass diese Strafanträge der Urheber stellen muss (in der Regel, es sei denn man hat eine Exklusivnutzungslizenz mit erweiterten Rechten). Ist Hannah W. selbst der Urheber, weil es ein sogenanntes Selbstbildnis bzw. Selbstportrait war, ist sie natürlich die Fotografin.

 

Was kann Hannah W. nun tun?

  • Unter Umständen kann Hannah W. einen Strafantrag wegen Verstoss gegen das Urheberrecht stellen. § 106 (1) UrhG ermöglicht für die “unerlaubte Verwertung urherberrechtlich geschützter Werke” und auch den Versuch eine Haftstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe
  • § 108 a “Gewerbsmäßige unerlaubte Verwertung” kommt sehr wahrscheinlich auch zum greifen, denn die BILD ist natürlich ein gewerbliches Unternehmen und verdient mit ihren Medien Geld. Dieser Paragraph würde eine mögliche Haftstrafe auf bis zu 5 Jahre erhöhen
  • Möglicherweise liegt auch eine Persönlichkeitsverletzung des Urhebers vor, wie in

Jetzt könnte man natürlich denken das war es, aber Nein, denn es geht ja auch noch um die Rechte der abgebildeten Person, Hannah W. selbst. Ihre Rechte sind massiv angegriffen:

  • Das sogenannte Recht am Bild der eigenen Person ist in § 22 KunstUrhG geregelt, dort heisst es: “Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, daß er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt.”
  • Die Ausnahme in § 23 “(1) Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden: 1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte; 2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen; 3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben;…..” greift nicht, da keiner der genannten Ausnahmefälle vorliegt.
  • Somit ist dann natürlich wiederum § 33 erfüllt “(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer entgegen den §§ 22, 23 ein Bildnis verbreitet oder öffentlich zur Schau stellt.”
  • Es ergibt sich des Weiteren ein möglicher Schadenersatzanspruch aus Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG über § 823 GBG

 

Wie sieht es mit der Haftung von BILD als Unternehmen aus?

  • Die BILD-Boulevardzeitung haftet möglicherweise auch als Unternehmen, also nicht nur die Person welche nun genau die Handlungen vorgenommen hat. § 99 UrhG Haftung eines Unternehmens “Ist in einem Unternehmen von einem Arbeitnehmer oder Beauftragten ein nach diesem Gesetz geschütztes Recht widerrechtlich verletzt worden, hat der Verletzte die Ansprüche aus § 97 Abs. 1 und § 98 auch gegen den Inhaber des Unternehmens.”
Insgesamt dürfte das für den Verlag eine sündhaft teure Angelegenheit werden. Ihr seht also, das UrhG als auch das KunstUrhG schützt auch die Rechte von alltäglichen Verbrauchern.
Inzwischen berichtet auch die W&Vjetzt.de von der Süddeutschen Zeitung darüber, dort findet sich auch ein Interview, als auch der SPIEGELonline.
Quellen

 

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